Visuelles Training 4: Teil 2 – Antwort/Erklärung

Los geht’s – hier ist die Antwort und Erklärung zu unserem visuellen Training 4. Habt ihr wirklich alles gesehen in dem Foto, das ich euch in Teil 1 gezeigt habe? Vielleicht sollte man besser fragen: Habt ihr wirklich alles erkannt und deswegen auch die humorvolle Aussage in diesem Foto?

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Mit Sicherheit habt ihr gesehen/erkannt, dass es sich bei dem Fotomotiv um ein Fahrrad-Symbol handelt.
Ein Fahrrad, klar, also was bitte soll man hier visuell trainieren? Was soll daran interessant sein?
Wo soll hier irgendetwas Humorvolles sein? Irgendetwas, das es wert ist, überhaupt so ein Foto zu machen?
Na klar doch! Warum?
Habt ihr denn auch gesehen/erkannt, dass dieses Fahrrad hier keinen Sattel hat? Dieser fehlende Sattel ist der Grund, warum dieses Foto gemacht wurde und warum hier eine äußerst humorvolle Aussage in diesem Foto ist. Ganz egal, ob ihr nun männlich seid oder weiblich – wie auch immer, aber würdet ihr wirklich so ein Fahrrad benutzen? Stellt euch doch nur mal vor, wie viele Schmerzen das allein bedeutet, nur darauf zu sitzen ….

Viele sehen, besser gesagt bemerken diesen fehlenden Sattel erst gar nicht. Das liegt zum einen daran, dass es sich bei diesem Fahrrad-Symbol um ein ganz und gar alltägliches Objekt handelt, man sieht es überall ständig: auf Schildern, Fahrradwegen usw. Zum anderen liegt es aber auch daran, wie wir sehen, am Sehprozess. Dabei arbeiten zunächst unsere Augen, die optische Reize sammeln und als Informationen weiterleiten. Im Sehzentrum und Gehirn dann werden diese Informationen bearbeitet. Sehzentrum und Gehirn sind dabei aber so trainiert, dass sie auch dann, wenn nur Teile/Bruchstücke eines Gegenstandes vorliegen, noch erkennen können, um was für einen Gegenstand es sich handelt, zu dem die Augen Informationen übermittelt haben. Schaut einmal auf dieses Beispielfoto hier:

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Obwohl bei diesem Fahrrad-Symbol jede Menge Teile/Details fehlen, wird es trotzdem noch als Fahrrad-Symbol erkannt/gesehen, zumindest mit ein wenig Übung.

Je mehr Teile bei einem Gegenstand fehlen, desto schneller wird natürlich gesehen, dass sie fehlen. Aber je weniger Teile fehlen, so wie in unserem Ausgangsbeispiel eben nur der Sattel des Fahrrads, desto weniger wird dies gesehen. Oder anders ausgedrückt: übersehen. Warum? Das liegt daran, dass man normalerweise zufrieden ist bzw. dass es völlig ausreichend ist, zu wissen, was für einen Gegenstand man sieht – hier: ein Fahrrad. Weiß man grundsätzlich, was man sieht, erlischt normalerweise jede weitere Aufmerksamkeit. Anders gesagt: Zu wissen, was man sieht, ist das Wichtigste. Warum? Weil wir jeden Tag mit einer Unmenge an visuellen Eindrücken fertig werden müssen, allein das ist ein immenses Arbeitspensum.

In der Fotografie sollte man aber, so oft wie möglich, genauer hinsehen. Versucht einmal, dies zu trainieren.

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