Visuelles Training 2: Teil 2 – Antwort und Erklärung

Im zweiten visuellen Training hier bei unserer Photoakademie.eu hatte ich euch ein Foto gezeigt und gefragt, was ihr dort sehen/entdecken könnt. Hättet ihr vor Ort angehalten und euch das Ganze näher angesehen, weil euch ein bestimmtes Element sozusagen ins Auge gesprungen ist oder wäret ihr einfach weitergegangen ?

Ihr habt nichts Interessantes in diesem Foto entdecken können ?

Macht euch nichts daraus! Als ich dort fotografierte wurde ich jedenfalls äußerst interessiert von vorbeigehenden Passanten begutachtet und man konnte förmlich sehen, dass alle sich fragten, was zum Kuckuck denn dort so Umwerfendes ist, dass ich im Schnee hockte mit der Kamera in der Hand.

Schauen wir uns das Foto also noch einmal an:

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Und jetzt schaut einmal auf dies hier:

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Was ich dort zufällig entdeckt hatte war nämlich der Kopf bzw. eine Profilansicht eines Kopfes und diese wiederum erinnerte mich sofort an eine alte Frau. Vor allem an eine alte Frau so wie man sich diese laut vielen Schilderungen oder Darstellungen aus dem Mittelalter als eine Hexe oder als ein altes verhutzeltes, fast zahnloses Kräuterweiblein vorstellen kann. Eine Knollennase, lange Haare mit einem Knoten im Nacken, sogar der Mund mit beiden Lippen und ein einziger noch verbliebener Zahn – all dies kann man in diesem Profil entdecken.

Hier könnt ihr diese Details noch ein wenig genauer entdecken:

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Und hier eine Aufnahme so nah wie möglich, um einerseits diese Details darzustellen und andererseits nicht in diesem Schnee zu versinken:

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Okay, ein neues visuelles Erlebnis für euch – vielleicht könnt ihr den Kopf dieser alten Frau nun auch sehen/entdecken und fragt euch, warum ist dies nicht sofort gelungen.

Wenn ihr ähnliche visuelle Erfahrungen bereits gemacht habt, wenn ihr visuelle Vorstellungen oder Bilder im Kopf habt, die von Hexen bzw. alten Kräuterweiblein gerade aus der Zeit des Mittelalters überliefert wurden, dann fällt es natürlich leichter, so etwas auch draußen, vor Ort zu „sehen“ bzw. Objekte damit zu assoziieren.

Das liegt daran, dass unser Gehirn der zweite und eigentliche Hauptpartner beim „Sehvorgang“ ist, sprich beim „Sehen“.

Alle Informationen, die von unseren Augen gesammelt werden und von dort ins Gehirn weitergeleitet werden, werden nämlich dort, im Sehzentrum, abgeglichen mit allen im Gehirn gespeicherten Informationen. Und deswegen sind wir in der Lage, den Informationen durch die Augen einen Namen zu geben und zu erkennen, um was es sich handelt. Vorausgesetzt natürlich, wir haben schon entsprechende Erfahrungen gesammelt. Falls nein, können wir das Objekt nicht mit einem Namen belegen und nicht erkennen, was es ist.

Bis bald mit dem nächsten Training für euch hier !

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2 thoughts on “Visuelles Training 2: Teil 2 – Antwort und Erklärung

  1. Rainer

    Hallo Ann-Lisa,

    den Kopf habe ich wirklich nicht gesehen. Nach deinem Hinweis habe ich irgendwas bei den beide Steinen im „Kopf“ gesucht. Du siehst dein Training ist notwendig.
    Ich bin schon gespannt wie es weitergeht.

    Viele Grüße
    Rainer

    1. Ann-Lisa

      Hallo Rainer,

      danke für deine Rückmeldung und ja, es wird noch so einiges hier beim visuellen Training zu „sehen“ sein bzw. zum Sehprozess gezeigt und erklärt werden. Bei diesem Motiv hier handelte es sich insgesamt einfach um Schnee, den man von der Straße geräumt hatte und übereinander gestapelt hatte zu Schneebergen. Eigentlich etwas, das man sich normalerweise nicht einmal anschaut, wen interessiert schon der weggeräumte und teils auch schmutzige Schnee am Rand von Straßen usw. ? Als ich dort fotografierte war ich daher die Attraktion schlechthin 🙂 Wenn man aber die Umgebung aufmerksam ansieht und auch über viele visuelle Erfahrungen verfügt, dann kann man sogar in solchen „uninteressanten“ Objekten je nachdem auch fotografische Motive entdecken. Eine große Rolle spielt dabei natürlich auch aus welcher Perspektive man auf das Objekt schaut und wie man es dann fotografisch festhält. Dieser Kopf z.B. war nur aus bestimmten Blickwinkeln hier sichtbar, ein Schritt weiter (usw.) und er war nicht mehr erkennbar, sondern sah nur wie ein ganz normales Stück gefrorener Schnee aus.

      Viele Grüße Ann-Lisa

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