Pro Fotocommunities ?

Über den Sinn oder Nicht-Sinn von Fotocommunities wird immer wieder diskutiert. Gründe dafür, dass es nicht sinnvoll ist für die eigene fotografische Entwicklung und Arbeit, gibt es zuhauf. Fragen wir also anders: macht es Sinn, einer Fotocommunity beizutreten?  Ein paar Gedanken dazu.

Gleich vorab, jeder wird es anders empfinden. Das hängt u.a. damit zusammen, wie weit man bereits in der eigenen Fotografie ist, aber auch, wie weit man sich bereits innerhalb von Fotocommunities auskennt/Erfahrungen gesammelt hat oder wie weit man dem Suchtfaktor Fotocommunity erlegen ist. Suchtfaktor? Ja, auch dies gibt es – Nutzer, die sich von einer Fotocommunity nicht mehr abnabeln können und deren Leben sich durch ihr Auftreten in einer solchen Community zumindest wesentlich mitbestimmt.

Pro Fotocommunities (eingeschränkt):
Es besteht grundsätzlich die Möglichkeit, andere Menschen kennenzulernen, für die die Fotografie wichtig ist, denen sie etwas bedeutet bzw. genauso viel bedeutet, wie einem selbst. Diese Internet-Kontakte können zu realen Kontakten führen, d.h. man lernt sich tatsächlich auch persönlich kennen, unternimmt etwas zusammen, fotografiert gemeinsam. Kurz gesagt: verbringt Zeit im realen Leben miteinander, mal weniger, mal aber auch mehr. Da in Fotocommunities Nutzer von überall her (auch aus anderen Ländern) teilnehmen, ist es aber eher selten, dass persönliche Kontakte auch in der realen Welt zustande kommen. Das setzt auf beiden Seiten dann nämlich meist doch sehr viel Willen dazu und viel Einsatz voraus, denn nicht zuletzt gilt es z.B. die räumlichen Distanzen zu überbrücken. Auch ist es eher ein Glücksfall und Zufall, dass man auf solche Menschen trifft, denn sie müssen nicht nur gerade im selben Zeitraum in der Community sein wie ihr, sondern sie verlassen Communities nach relativ kurzer Teilnahme-Zeit sehr schnell wieder. Fotografische Kontakte, die darüber hinaus auch zu persönlichen Bekanntschaften führen, kann man auch anderweitig knüpfen – ohne Fotocommunities! Also nur ein sehr, sehr eingeschränktes Pro Fotocommunities.

Pro Fotocommunities (uneingeschränkt):
Wer sich mit Psychologie und Soziologie samt allen ähnlichen Richtungen beschäftigt, sollte auf jeden Fall Fotocommunities beitreten, auch wenn man sich mit der Fotografie selbst nicht beschäftigt. Obwohl die Fotografie eigentlich etwas Positives ist, ein Hobby, Freizeit, Kreativität usw. wird trotzdem in Kommentaren oder threads immer wieder teils erbittert nur um Verhalten gestritten. Man schaukelt sich in heftige negative emotionale Stimmungen hoch, es wird gemobbt, erzogen, verurteilt, beleidigt, miteinander abgerechnet usw. – das Foto ist nur der Startschuss dafür und bleibt dann völlig außen vor. Gerade auch unter dem Deckmantel der Internet-Anonymität wird sich so richtig ausgetobt, verbale Schlammschlachten (sog. „flame wars“) bis hin zu gegenseitigem „Ignore“ und Beschwerden beim Community-Betreiber. All dies ist psychologisch äußerst interessant, auch und nicht zuletzt in welchem Umfang die entsprechenden Beteiligten für andere ein Bild von ihrer Persönlichkeit offenbaren und sich dessen offenbar nicht einmal bewusst sind. Oder auch der Suchtfaktor – bedingt u.a. durch Zwangsmechanismen: beteilige dich und du wirst beachtet, beteilige dich wenig oder nicht und du und alle deine Fotos sind gleichgültig. Usw. usw. .Von den „gesellschaftlichen“ Strukturen einmal ganz abgesehen wie z.B. die Gruppenbildungen (z.B. Buddy-Gruppen/Anti-Buddy-Gruppen). Oder die sog. Platzhirsche, die um ihre gedachte oberste Position kämpfen. Oder die „wohlmeinenden Chefs“, die zu allem und jedem ihren Senf dazugeben (und sei er noch so unsinnig). Nicht zu vergessen diejenigen, die sich fotografisch einbringen wollen und nach mehr oder weniger kurzer Zeit an der Community nicht mehr teilnehmen. Und all dies sind nur einige wenige Beispiele. Die Beobachtung eines Fotocommunity-Lebens und seine Analyse ist ein reichhaltiges Studier-Feld.

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