Photowalk Südschweden: Malmö/Ystad – Reise-Fotografie unter Zeitdruck

Mit dem Auto durch Südschweden via Schonen und Blekinge nach Stockholm, das bedeutete für uns eine Fahrt von über 1200 km. Diese Fahrt wollten wir allerdings nur in zwei Etappen zurücklegen, denn in diesen Provinzen in Südschweden locken weltbekannte Namen und Orte, wie z.B. Nils Holgersson, Wallander, Ystad und Karlskrona.

Ein wochenfüllendes Programm, um zu fotografieren,  nur stand uns diese Zeit leider nicht zur Verfügung, auch nicht an unseren Etappenzielen. Ein typisches Problem in der Reisefotografie, zumindest dann, wenn man mehr oder weniger ständig unterwegs ist wie z.B. bei Rundreisen. Ein paar Stunden vor Ort, das war für uns jeweils schon das Maximum, denn zuerst mussten wir ja überhaupt dort ankommen und ganz nebenbei mussten sogar wir gelegentlich auch einmal z.B. essen und schlafen. Was tun ? Am besten gar nicht fotografieren oder höchstens Fotos auf die Schnelle ?

Hm, also eines ist klar, man fotografiert unter solchen Voraussetzungen (Zeitdruck, ständiger Ortswechsel) meistens schon „schneller“, im Sinne von: man entscheidet sich schneller hinsichtlich des Ob und Wie, denn Motive müssen hier dann quasi im Vorübergehen aufgenommen werden.

Die gewohnte Vorgehensweise beim Fotografieren kann man meistens nicht einhalten, weder kann man ein Motiv sozusagen so einkreisen (Standort, Perspektiven, usw.) wie man es am besten will, noch auf den günstigsten Augenblick warten wie z.B. Lichtverhältnisse usw.
Nur – warum immer das Gewohnte ?
Sicher, man weiß dann die Ergebnisse (Fotos), man kann sie ja viel mehr planen und  sich „ausrechnen“ oder  man kann sie vor Ort andernfalls verbessern, ändern usw. Man hat Zeit.
Aber :
Flexibel sein, das kann eine interessante Herausforderung werden. Man hat keine Zeit, aber trotzdem … Je öfter man so etwas einmal ausprobiert, desto eher gelingen dann auch Fotos auf Reisen, bei denen man später nicht sagt: „Wenn ich mehr Zeit gehabt hätte, hätte ich … hätte ich das besser … hätte ich das ganz anders … usw.“ Fotos, die man quasi vor anderen damit „entschuldigt“, dass man leider nur so fotografieren konnte, weil man leider zu wenig Zeit hatte. Und je öfters man so etwas probiert, desto schneller fällt die Entscheidung, ob man überhaupt fotografiert oder nicht, zugunsten der Fotografie aus.

Zeitdruck in der Reisefotografie wird zwar oftmals als störender Faktor empfunden und ist es auch in vielen Fällen, ganz besonders natürlich bei Rundreisen mit ständig wechselnden Reiseetappen oder auch bei längeren Anreisen zum Ziel oder längeren Abreisen nach Hause mit Zwischenübernachtungen. Aber man sollte trotzdem positiv denken und die wenige Zeit, die man dann jeweils vor Ort hat, nicht damit verbringen, zu bedauern, was man denn nun alles nicht fotografieren kann oder nicht so, wie man es gewohnt ist, weil …., oder, oder. Das bringt einem nämlich gar nichts.
Man sollte vielmehr die wenige Zeit dann nutzen, um die Herausforderung und Chance, flexibel zu sein bzw. sein zu können, anzunehmen, dabei mit Spaß und Freude auch mal zu improvisieren und trotzdem zu Fotos zu gelangen, die man später nicht „entschuldigt“. Hier zeige ich euch einmal eine kleine Mischung von solchen Fotos aus Malmö und Ystad und damit zugleich auch, was man trotz Zeitdrucks sogar alles an unterschiedlichen Eindrücken fotografisch sammeln kann.

Malmö:
Drittgrößte Stadt Schwedens, gelegen an der Ostsee, Ausgangspunkt für viele, die nach Schweden einreisen oder ausreisen. Zeit zum Fotografieren war aus verschiedenen Gründen praktisch überhaupt nicht, sprich  nahezu null. Malmö in seinen vielen verschiedenen Facetten fotografisch einzufangen war daher nicht möglich, generell nicht und auch nicht ansatzweise. Alle diesbezüglichen ursprünglichen Pläne und Ideen mussten aufgegeben werden. Aber das bedeutete für mich nicht zeitgleich, dort überhaupt nicht zu fotografieren. Am besten nimmt man in so einer Situation einfach die Kamera trotzdem mit und schaut, welche Motive auf einen zukommen. Denn Motive kann es immer geben, überall, und wer sagt denn, dass man nur „stadtspezifische“ Motive fotografieren muss ?
Einige Beispiele aus Malmö:

Südschweden-01-ARei-PA-DSC0

Dieses kleine Eiscafé reizte mich motivmäßig aufgrund der vielen Farben und der Gestaltung der Tische und Stühle.

Südschweden-02-ARei-PA-DSC0

Diese kleine Szene ist typisch für Hafenstädte – und typisch für die dort beheimateten tierischen Bewohner, insbesondere für die Möwen.

Südschweden-03-ARei-PA-DSC0

Ein kleines interessantes Motiv am Rande – für alle, die gerne mit Flächen und Formen usw. experimentieren und fotografieren.

Südschweden-04-ARei-PA-DSC0

Hier handelt es sich um eine erlaubte Graffiti-Zone, besonders auffallend war der Gegensatz zwischen den bunten Graffiti und der dunklen tristen weiteren Hausfront. Ein fotografisch reizvolles Motiv zu Kontrasten, Farben und ihrer Bedeutung, aber auch Flächen, Formen und Linien. Darüber hinaus versehen mit kleinen Details

Südschweden-05-ARei-PA-DSC0

oder mit ausdrucksstarken Aussagen

Südschweden-06-ARei-PA-DSC0


Ystad:
Eine kleine Stadt, ca. 60 km von Malmö entfernt, ebenfalls an der Küste gelegen. Ystad, weltbekannt, zumindest bei allen Krimi-Freunden, denn es ist der Wohnort und Arbeitsplatz von Henning Mankells berühmtem Kommissar Kurt Wallander. Natürlich gibt es dort entsprechende Wallander-Rundtouren, die zu allen wichtigen aus den Filmen und den Büchern bekannten Schauplätzen in Ystad führen. Und natürlich verlockt dies dazu, diese als Motive dann festzuhalten.
Aber Ystad ist nicht nur Wallander, sondern außerdem ein sehr idyllisches, altes Städtchen, mit vielen sehr alten und denkmalgeschützten Fachwerkhäusern und anderen Gebäuden, verwinkelten Straßen und Gässchen usw. usw. Uns standen ca. 4 Stunden zur Verfügung, um Ystad zu durchwandern, zu erkunden, zu sehen und zu entdecken und zu fotografieren. Auch hier viel zu wenig Zeit, um all das zu schaffen, um die Atmosphäre des Städtchens in allen Facetten aufnehmen zu können. Dennoch kann man zumindest einige davon einfangen und es gelingt auch, trotz Zeitdrucks ganz verschieden fotografisch zu arbeiten. Eine kleine Auswahl davon zeige ich euch hier:

Südschweden-07-ARei-PA-DSC0

Die Mariagatan, das zumindest musste einfach sein, denn es ist die Straße,  in der Kurt Wallander wohnt. Hochformat und Detailaufnahme, konzentriert auf Flächen, Formen, Linien.

Südschweden-08-ARei-PA-DSC0

Südschweden-09-ARei-PA-DSC0

Südschweden-10-ARei-PA-DSC0040

kleine Einblicke in die Idylle und die Straßenführung,

Südschweden-11-ARei-PA-DSC0

im Vorübergehen entdeckt – der Stadtname mal ganz anders,

Südschweden-12-ARei-PA-DSC0

die Blumen und Pflanzen, die vor vielen Häusern quasi aus dem Asphalt herauswachsen, ein ganz typisches Detail in Ystad, aber auch generell in Schweden: wo immer ein Teelöffel Erde ist, wächst ganz gewiss etwas, was auch immer. Und warum nicht, wenn man sie sieht – Motive, die überall sein können, aber deswegen ja nicht unbeachtet bleiben müssen, nur weil man z.B. in Ystad ist:

Südschweden-13-ARei-PA-DSC0

die kleine Spatzenidylle,

Südschweden-14-ARei-PA-DSC0

ein Hausfenster. Wer sich z.B. das Thema Fenster als ein Serienthema gewählt hat, kann jederzeit und überall auch unter Zeitdruck weitere Motive dazu fotografieren, um die Serie fortzuführen.

Also, nicht den Kopf hängen lassen – auch unter (sehr starkem) Zeitdruck kann doch in der Reisefotografie sehr Verschiedenes gelingen, wenn man sich nicht auf ursprüngliche Ideen fixiert, sondern flexibel mit der Situation umgeht und die Augen aufhält. Auch wenn man fast gar keine Zeit hat, nicht vergessen – die beste Kamera ist die, die man dabei hat  – also die Kamera mitnehmen und für kleine Augenblicke/Momente und Motive am Rande vorbereitet sein. Gar nicht zu fotografieren braucht man nicht  – Zeitdruck schließt Fotografie nicht zwangsläufig aus. Lieber ein individuelles Potpourri aus nur wenigen Fotos, wenn es sich ergibt,  als gar keine !
Hat man etwas mehr Zeit, dann ist es wichtig, dass man nicht allen bekannten bzw. geplanten/gewünschten Motiven hinterher hetzt, um sie auch ja alle selbst zu fotografieren. Stattdessen sollte man sich einschränken und eine Auswahl treffen und versuchen, den dann ausgewählten Motiven gerecht zu werden. Lieber also einige geplante Motive so gezielt wie möglich fotografieren, als alle geplanten Motive im Schnellverfahren. Ganz besonders wichtig ist es für individuelle/andere Fotos nämlich auch, die Atmosphäre vor Ort erst einmal aufzunehmen und das kann man nicht, wenn man nur ein Programm abspult und dabei ständig durch einen Sucher schaut.
Und wenn andere Motive sozusagen schon am bzw. auf dem Weg liegen, dann kann man sie auch mitnehmen – auch wenn sie z.B. nicht „städtespezifisch“ sind und man ursprünglich daran vielleicht überhaupt nicht einmal gedacht hat.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.