Langweilige Personenfotografie … oder doch spannend ?

Eine Persönlichkeit sollte aus dem Bild kommen, oder etwas anderes, was es spannend und interessant macht.

Und dann gibt es halt zwei Gesichtspunkte, die recht wichtig sind:

1. es gibt den Fotografen

2. es gibt den Betrachter

Für den Fotografen kann das shooting oder ein entstehender Lernprozess interessant und spannend sein. Dabei ist aber nicht gesagt, dass auch das Bild interessant und spannend ist.

Der Betrachter war nicht dabei. Also sollte der Fotograf eine kleine „Geschichte“ erzählen mit dem Bild – was will ich eigentlich ausdrücken mit meiner Fotografie.

Dabei muss es keine weltbewegende Saga sein, die ich als „Geschichte“ meine. Es reicht ein kleiner Fingerzeig auf das Wesentliche im Bild – was hat mich als Fotografen dazu bewegt, diesen Moment fest zu halten.

Dieser Moment, der mich bewegt hat abzudrücken, ist ja das spannende oder interessante im Bild. Ist der Auslösemoment nur dazu da, seine Geräte kennen zu lernen oder etwas zu probieren, dann wirkt das Bild auf den Betrachter schon mal „öde“.

Der Fotograf kann z.B. für sich denken „jawoll, den Blitz habe ich gut gesetzt, was für ein schöner Nasenschatten“. Sieht dies aber der Betrachter auch am Bild, dass sich der Fotograf über einen gelungenen Nasenschatten freut ?

Meist kommt es dann zu diesen Gedanken vom Betrachter „was will mir der Fotograf da sagen/zeigen ?“ Und so ist so ein Bild für den Betrachter schnell öde, dem Fotografen gefällt es, weil er ein Erfolgserlebnis hatte, dies aber nicht beim Betrachter an kommt, war er ja nicht dabei beim shooting und weiß um die Hintergründe vom Bild und wie sich der Fotograf da über diesen kleinen Schatten gefreut hat.

Seht dieses Nasenschatten-Beispiel als eine Situation von vielen.

Aber grundlegend ist es besonders bei Studio-Aufnahmen so, dass man ja nur die Persönlichkeit vom Model darstellen kann, fehlt es ja so oft an der Umgebung, die diese Persönlichkeit unterstreichen kann. Besonders hier ist es wichtig, etwas fesselndes im Bild zu haben, da man ja nur den Menschen auf dem Bild hat.

Mal ein konkretes Beispiel:

– Ich shoote einen Rocker mit seiner Harley im Studio – ok, ein Rocker mit seiner Maschine.

– Ich shoote einen Rocker mit seiner Harley in der Wildnis, evtl. sogar mit einer Bergkette im Hintergrund – Freiheit, das rauhe Leben in der Natur – der Rocker einsam in der großen weiten Welt.

Zwei völlig unterschiedliche Situationen und Gefühle, die dabei auf kommen.

Das Erste ist klasse für ein Motorradmagazin, z.B. für die Kleidung, für das Motorrad, für einen Aufmacher. Das ganze gut fotografiert und in Szene gesetzt mit gutem Bildausschnitt und man hat einen Rocker mit seinem Bock – ist ja nicht das schlechteste. Für viele kann so ein Studiobild aber relativ langweilig wirken und austauschbar. Der Fotograf kann hier aber auch was spannendes machen, indem der Rocker zu sehen ist, der auf einem Motorrad sitzt. Also Person (Persönlichkeit) im Mittelpunkt und das Motorrad als Beiwerk zur Unterstreichung der Persönlichkeit „Rocker“.

Auch könnte s/w eine Antwort sein etwas in diesem Bild an Aufmerksamkeit zu erzeugen. Durch das Einsetzen von Filtern und Licht kann das Bild auf einmal viel spannender wirken auf den Betrachter, da man dann etwas betont hat und dem Bild einen spannenden Kontrast gegeben hat.

Das Zweite hat schon diesen „Kontrast“ durch den Wechsel vom Hintergrund.

Selbst wenn ich das Studiobild nehme und den Hintergrundwechsel kann dieses vermeintlich „öde“ Bild auf einmal eine Würze bekommen und das Interesse vom Betrachter wecken.

Hier hat es durch den Hintergrund eine Persönlichkeit bekommen und wirkt auch ohne spezielle Perspektive oder Entfernung der Farbe.

Zwar muss auch hier einiges an der Fotografie stimmen, das setze ich aber bei beiden Aufnahmen als gegeben voraus.

Ich hoffe es wird klar, dass der Betrachter durch sein Gefühl beim Betrachten eine Entscheidung zwischen „öde“ und „interessant“ trifft.

Das eine kann halt einfach nur ein normales, technisch gut fotografiertes „Passbild“ sein, ohne jegliche Regung und Persönlichkeit (was aber nicht heißt, dass ein Passbild keine Persönlichkeit vermitteln kann – die meisten machen dies aber nicht).

Das Andere kann identisch von der Technik fotografiert sein, wurde aber spannender durch die Zugabe einer speziellen Würze (Perspektive, s/w, Hintergrund, Umgebung, auffälliges Merkmal zur Identifikation, …).

Über Kommentare, Anregungen oder Diskussionen zu den Beiträgen freuen wir uns immer 😉

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