Foto-Bericht vom PA Photo-Walk in Kiruna Teil 3 – natürliches Licht – Abisko Nationalpark

Hier ist der letzte Teil meiner Foto-Berichte über unseren PA Photo-Walk in Kiruna, schwedisch Lappland. Diesmal geht es noch weiter nördlich Richtung Nordpol, ungefähr 100 km nördlicher als die Stadt Kiruna, nach Abisko und zum Abisko Nationalpark, der außerdem an der Grenze zu Norwegen liegt. Abisko ist bekannt für seine Aurora Sky Station, von wo aus man die Polarlichter sehr schön sehen kann. Außerdem beginnt bzw. endet in Abisko der bekannte „Kungsleden“, ein traditioneller Wanderpfad, der sich viele hunderte Kilometer durch die verschiedensten Nationalparks Schwedens schlängelt.

Fotografisch geht es diesmal um die Landschaftsfotografie und hier liegt der Schwerpunkt auf dem Einsatz des natürlichen Lichts („available light“), verschiedenen Lichtsituationen und ihren Effekten.

Wenn man in der Landschaftsfotografie arbeitet, dann bedeutet dies z.B. auch das Arbeiten mit dem jeweils vorhandenen natürlichen Licht und darauf hat man als solches keinerlei Einfluss. Von daher muss man sich spätestens, wenn man vor Ort ist, entscheiden, ob man mit den Wetterbedingungen und dem dadurch gegebenen, vorhandenen Licht fotografieren möchte oder ob man sich sagt: „Auf keinen Fall, nicht mit mir.“ Wenn man sich grundsätzlich dafür entscheidet, das vorhandene natürliche Licht zu nutzen, dann sollte man sich weiterhin fragen, ob dadurch die Landschaft in einem besonderen Effekt erscheint, einer besonderen Stimmung vielleicht. Und man sollte sich fragen, ob man diesen Effekt, diese Stimmung fotografisch festhalten möchte, vielleicht sogar bewusst, extra, um zu einer anderen Bildaussage zu gelangen.

Worüber man sich auch immer im Klaren sein sollte, ist, dass sich das natürliche Licht sehr schnell ändern kann, z.B. je nach Wetterlage. Dadurch kann es zu richtigen Herausforderungen kommen für den Fotografen/die Fotografin, man muss z.B. schnell reagieren. Aber zugleich hat man die Chance, die Landschaft in verschiedenen Stimmungen zu beobachten und diese festzuhalten.

Als erstes möchte ich euch hier einmal ein Beispiel dafür zeigen, wie rasend schnell sich Wetter- und Lichtbedingungen in einer Landschaft ändern können. Diese drei Fotos wurden in einer Gesamtzeit von knapp 3 Minuten geschossen, zwischen den Fotos liegt maximal 1 Minute Zeitabstand.

Achtet einmal darauf, wie sich der Himmel, das Licht und auch die Konturen des Berges verändern.

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Hier zwei andere Beispiele, die Fotos wurden im zeitlichen Abstand von 1 Stunde aufgenommen. Die in diesem Zeitraum veränderten Lichtbedingungen haben einen starken Effekt hier – von einer eher heiteren winterlichen Landschaft mit Farben hin zu einer fast trüben Landschaft mit monochromem Farbcharakter.

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Hier könnt ihr die erhebliche Wirkung von verschiedenem Licht auf Details und Farben sehr deutlich sehen.

Im ersten Foto sind fast keinerlei Details, die Hintergrundfläche wirkt monoton, fast sieht es so aus, als sei dort eine Schmutzspur, die auf dem Objektiv gewesen ist und nicht richtig entfernt wurde. Im zweiten Foto dagegen seht ihr, was diese „Schmutzspur“ in Wirklichkeit ist. Während im ersten Foto der Himmel komplett bedeckt war, kam kurz danach die Sonne vorübergehend hervor und sofort wurde die Landschaft bzw. hier das konkrete Fotomotiv in ein anderes Licht getaucht. Dadurch kommen plötzlich jede Menge Details zum Vorschein, der Schnee, die Schneekristalle, die Schneehügel. Die kleine Kiefer sieht heller aus und freundlicher/heiterer, die Farben haben sich geändert und das Grün der Kiefer ist vor allem viel wärmer anzusehen.

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Wie ihr bereits an den ersten Fotos hier sehen konntet, hatten wir auf unserem Photo-Walk sehr verschiedene Lichtsituationen und Lichtbedingungen. Von Sonne bis Regen, von einem eher heiter wirkenden Himmel bis zu einem tiefverhangenen, bei dem die Wolken vieles verhüllten, uns wurde einfach alles geboten. Und dies hauptsächlich, weil es an diesem Tag sehr windig war, sogar mit orkanartigen Böen in den Gipfelbereichen der Berge, so dass das Wetter sehr wechselhaft war. Sonne, Wolken, Regen – alles wechselte ständig.

Oft kam die Sonne nur vorübergehend zum Vorschein und dann hieß es bereit sein und schnell zu reagieren, um das Licht, die Lichtsituation und das Fotomotiv rechtzeitig „einzufangen“.

Die Natur spielte quasi mit dem Licht für uns. Nicht nur allgemein, auch im Speziellen.

Hier einmal ein Beispiel für so eine Situation, so einen Augenblick:

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All dies verlockte mich dazu, selbst mit dem Licht zu spielen und sofern möglich, das Licht und seinen Charakter/seine Eigenschaften darzustellen., damit zu experimentieren.

Hier zeige ich euch einmal ein paar Beispiele dazu. Sowohl die Blendenflecke als auch die kleineren überbelichteten Stellen wurden bewusst eingeplant und genutzt bei den Aufnahmen.

Die ersten zwei Fotos entstanden auf dem Weg nach Abisko, am Nationalpark entlang, die anderen Aufnahmen wurden dann im Nationalpark selbst gemacht, vom „Kungsleden“ aus, auf dem wir gewandert sind.

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Da die Landschaft aufgrund der Lichtbedingungen, aber auch der Jahreszeit, teilweise oft recht monochromen Farbcharakter hatte, habe ich dort u.a. auch gezielt mit Überbelichtungen gespielt. Die Kamera wurde entsprechend eingestellt – Belichtungskorrektur/Belichtung in den Plus-Bereich. Dadurch sind die oberen Gipfelbereiche der Berge mit dem Himmel zu einer Fläche verschmolzen, der Schnee im Vordergrund wirkt ebenfalls als weiße Fläche und das Motiv dazwischen wirkt wie eine Art Panorama in einem Querformat.

Ein Lichtexperiment.

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Ein letzter kleiner Tipp für heute:

Auch wenn ihr in einer beeindruckenden Landschaft seid und diese fotografiert, vergesst nicht die sog. „Kleinigkeiten“. Auch sie können eine genauso starke Ausdruckskraft haben wie ein Überblick von der Landschaft, sei es, dass diese „Kleinigkeiten“  z.B. die Landschaft ganz typisch präsentieren, sei es, dass sie die Jahreszeit zeigen usw. Wie in unserem Fall den Winter.

Hier noch ein paar Impressionen und Beispiele dazu. Auf der einen Seite sind sie sehr verschieden – Stichwort: Landschaft. Auf der anderen Seite sind sie sehr ähnlich – Stichwort: Winter.

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Dies waren einige kleine Impressionen aus dem winterlichen  Lappland in Schweden.

Beim nächstenmal treffen wir uns dann beim Photowalk zu dem berühmten königlichen Schloss Drottningholm und es wird auch noch einige Impressionen zur eingefrorenen Ostsee geben. Die Eisbedingungen dort waren schließlich so immens, dass fast der gesamte Schiffsverkehr zu den Schäreninseln im Stockholmer Schärengarten eingestellt werden musste.

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