Foto-Bericht vom PA Photo-Walk in Kiruna Teil 1 – Kiruna, die Stadt auf Zeit

In diesem ersten Rückblick über unseren Photowalk in Kiruna möchte ich euch ergänzend zu dem ersten Video-Bericht von Martin ein paar weitere kleine Eindrücke vom nördlichen Polarkreis – aus schwedisch Lappland- vermitteln. Fotografisch geht es diesmal Richtung Dokumentarfotografie und um einen ersten kleinen Einblick in Lichtsituationen.

Ausgangspunkt ist in diesem Artikel die Stadt Kiruna selbst, die nördlichste Stadt Schwedens.

Eine Stadt voller Kontraste. Und eine Stadt auf Zeit.

In Kiruna beherrscht der Erzabbau das Leben der Stadt Tag und Nacht. Die riesigen Bergbauanlagen prägen das Stadtbild und die umgebende Natur schon von weitem. Zugleich ist der Erzabbau die Ursache dafür, dass u.a. große Teile des Stadtzentrums in Kiruna noch innerhalb der nächsten 10 Jahre „verschwinden“ werden. Durch die unterirdischen Stollen und Sprengungen haben u.a. viele Gebäude im Stadtzentrum bereits jetzt Risse und werden bald nicht mehr bewohnbar bzw. nutzbar sein. Die Stadt Kiruna ist eine Stadt auf Zeit und diese Zeit läuft schneller ab, als gedacht – bald werden weite Teile der Stadt verlegt werden müssen.

Allein von daher drängte es sich geradezu auf, das Erzbergwerk und das Stadtzentrum in einer Art dokumentarischer Reihe zu fotografieren, also beides ganz gezielt als Motiv auszuwählen und Eindrücke davon fotografisch festzuhalten, soweit dies zeitlich möglich war.

Und zumindest bzgl. des Stadtzentrums kann man sagen, das sind nicht nur Fotos des Winters 2011, sondern es ist bald die objektive, reale Vergangenheit, Erinnerungen an die Stadt Kiruna als solches, wie sie einmal in dieser Form als solches existiert hat („Zeit-Dokument“).

Im ersten Foto möchte ich euch erst einmal einen Teil des Erzabbaugebietes zeigen.

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Bei diesen beiden Fotos von dem Berg, in dem bzw. von dem aus das Erz abgebaut wird, seht ihr außerdem einen direkten Vergleich mit jeweils verschiedenen Lichtsituationen. Die Aufnahmen wurden an unterschiedlichen Tagen gemacht und zu unterschiedlichen Zeiten.

Tipp daher: Wenn ihr länger an einem Ort seid, also zumindest ein paar Stunden, dann sucht euch gezielt ein Motiv und fotografiert es bei unterschiedlichen Lichtstimmungen.

So kann sich nicht nur das Motiv selbst optisch „ändern“ in seiner Darstellung, es kann sogar zu einer ganz verschiedenen Ausdruckskraft innerhalb der Fotos kommen.

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Hier ein paar Beispiele für euch zum Stadtzentrum Kirunas.

Teilweise sind es bekannte Gebäude Kirunas, teilweise aber auch ganz einfache Häuser oder Stadtansichten. Denn hier ging es in erster Linie nicht um besonders „schöne“ Fotos, sondern darum, die Realität und die Zeit (Winter 2011) festzuhalten. Ein ungeschminktes, noch existierendes städtisches Alltagsbild einzufangen, abseits touristischer Attraktionen.

Hier seht ihr das Rathaus. Dieses hat bereits jetzt etliche Schäden und Risse in den Mauern. Es ist geplant, das Rathaus Stück für Stück auseinanderzulegen und an einem neuen Ort wiederaufzubauen. Zumindest war dies einmal angedacht.

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Dies ist die alte Holzkirche Kirunas und ihr Glockenturm. Es ist geplant, beide auf eine rollende Plattform  zu setzen, um sie an einen neuen Standort zu verlegen. Auch hier gilt, dies war zumindest einmal so angedacht.

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Diese drei Aufnahmen zeigen Überblicke von Teilen des Stadtzentrums. Im Winter 2011. So sieht es nicht mehr lange aus dort.

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Diese Aufnahmen zeigen Häuser des Stadtzentrums. Auch sie werden nicht mehr lange bewohnbar sein.

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Wenn ihr alle vorherigen Fotos einmal miteinander vergleicht, werdet ihr auch bereits mit diesem kleinen Einblick feststellen, dass Kiruna u.a. ein Mix aus verschiedenen architektonischen Baustilen ist. Vom Hochhaus bis zum Einzelhaus mit Holz ist alles vertreten – die Kontraste hier sind erheblich und sehr reizvoll. Architekturfotografie ist in Kiruna in allen Facetten möglich und interessant.

Eine Art Dokumentarfotografie im weitesten Sinne des Wortes entstand aber auch bzgl. der Lebensbedingungen in Kiruna im Winter, der keinesfalls mit unseren Erfahrungen dazu verglichen werden kann ! Als nördlichste Stadt Schwedens, im nördlichen Polarkreis gelegen, sind winterliche Verhältnisse der „Normalfall“. Mit Glück gibt es vielleicht 100 hellere/helle Tage im Jahr, um midsommar (= unser Sommeranfang) herum – dann sinken die Temperaturen wieder, das Licht schwindet. Zweistellige Minusgrade, Sturm- und Orkanböen, Windchill, Schnee und Eis, Dämmerung und Dunkelheit – Lebensbedingungen, die nur schwer zu ertragen sind.

Hier noch ein ganz kleiner Mix aus verschiedenen Impressionen – zum Wetter, zur Freizeit und zur Kunst. Denn auch diese gibt es natürlich in Kiruna und viele kleine Kunstwerke kann man an allen möglichen Ecken und Enden finden. Die Industriestadt – die Kunst, ein weiterer Kontrast, den diese Stadt bietet.

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Im nächsten Artikel zum Photowalk Kiruna/Lappland werde ich euch dann einige Einblicke geben in die Umgebung Kirunas, in die sog. unberührte Natur.

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