Foto-Bericht PA Photo-Walk Lüneburger Heide Teil 2 – öder Himmel und Landschaftsfotografie

So, auf geht’s mit Teil 2 unseres Problems „öder, langweiliger Himmel“ und wir sind zurück in der Lüneburger Heide, diesmal aber mit einigen Fotobeispielen und Eindrücken aus dem Bereich der Landschaftsfotografie.

Wie bereits erwähnt hatten wir wunderschön warmes Wetter, aber die meiste Zeit keinen „wunderschönen“ Himmel, sondern nur irgendetwas über uns, das wie eine kompakte, leicht graue Masse aussah, ohne Wolken, ohne Farben, ohne Strukturen, ohne irgendetwas überhaupt. Nun ja, in der Reisefotografie hat man oftmals nicht die Möglichkeit, zu warten, bis ideale Foto-Bedingungen auftauchen. Daher möchte ich euch hier einmal zeigen, was man direkt vor Ort trotz eines öden und langweiligen Himmels machen kann, wenn man geplant hat, die Landschaft zu fotografieren.

…. direkt vor Ort:

Klar, man kann natürlich in vielen Fällen später mit einem Bildbearbeitungs-Programm Fotos bearbeiten und z.B. einen tristen, öden Himmel mit einem interessanten Himmel ersetzen, den man irgendwann irgendwo einmal vorher aufgenommen hat. Aber das kostet zumindest einige Zeit und vor allem braucht man das entsprechende Wissen und einige Erfahrung, wie man so etwas bewerkstelligt. Wenn ihr das nicht habt und könnt oder wenn ihr eure Fotos ganz einfach so überhaupt nicht bearbeiten möchtet, dann habt ihr vor Ort entweder die Möglichkeit, auf das Fotografieren ganz zu verzichten oder die Möglichkeit, zu versuchen, aus den vorhandenen Gegebenheiten das Beste zu machen.

Verschiedene Objektive oder auch Foto-Filter z.B. können dabei sehr hilfreich sein.
Vorausgesetzt, man hat sie dabei und das war bei mir diesmal nicht der Fall, da ich das Gewicht des Fototreckers so gering wie möglich halten wollte. Ich hatte nichts weiter als meine Kamera selbst und ein einziges Objektiv (16-80 mm).

Okay, gerade in der Landschaftsfotografie spielt der Himmel in den meisten Fällen natürlich eine große Rolle in der Komposition und im Foto. Obwohl man in der Landschaftsfotografie ganz verschieden fotografieren kann, zeigen die meisten Fotos Landschaften mit einem Himmel darin (Landschaft inklusive Himmel). Genauso, wie die meisten Landschaftsfotos im Querformat aufgenommen werden und bereits deswegen der Himmel, auch wenn er nur den Hintergrund bildet, oftmals ein wesentliches Element ist.

Wenn und warum auch immer der Himmel dann aber öde ist und langweilig, dann sind einige Probleme vorprogrammiert.
Öder, langweiliger Himmel – was bedeutet das überhaupt ? Wann kann man davon sprechen ?
Kurz gesagt immer dann, wenn der Himmel als Bildaufbau-Element den Bildaufbau nicht unterstützt, wenn er nichts dazu beiträgt.

In der Landschaftsfotografie ist dies dann der Fall, wenn der Himmel vor Ort eine kompakte Masse ist ohne Wolken, Farben, Strukturen usw. und daher im Foto als eine eintönige Fläche erscheint (optischer Eindruck) und/oder wenn ein solcher Himmel nichts zum Eindruck, besser gesagt zur Atmosphäre/Stimmung in der Landschaft beiträgt. D.h. in der Landschaftsfotografie kann ein Himmel zwar optisch als langweilig erscheinen beim Betrachten, aber er kann deswegen die Landschaftsstimmung trotzdem vermitteln im Foto und dann ist dies okay und man kann und sollte nicht von „öde“ oder „langweilig“ sprechen. Beispiele hierzu sind z.B. Landschaftsstimmungen mit Nebel oder auch Regen. Aber wenn der Himmel weder optisch etwas ausmacht, noch die Landschaftsstimmung unterstützt, dann bedeutet dies ganz einfach Ende vom Foto.

Schauen wir uns einmal ein paar Beispiele zu einem öden, langweiligen Himmel an und dazu, was man vor Ort trotzdem machen kann.

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Hier sieht man das Problem z.B. recht deutlich –  der Himmel ist eine kompakte Masse, die völlig uninteressant ist, obwohl es hier sogar einige leichte Strukturen im Himmel gab aufgrund der Wolkenbildungen. Zumindest im Zeitpunkt der Aufnahme und an dieser Stelle, davor und danach gab es nicht einmal solche leichten Strukturen im Himmel (siehe die nächsten Fotos). Aber ich wollte meinen Plan, einen allgemeinen Landschaftseindruck einzufangen, nicht komplett aufgeben.

Ich entschied mich, nach einem Fotoobjekt Ausschau zu halten, das einen möglichst großen Kontrast zu dem Himmel bilden konnte. In diesem Foto hier die große, einzeln stehende Birke. Das menschliche Auge ist per se darauf ausgerichtet und trainiert, mit Kontrasten zu arbeiten. Kontraste lenken nicht nur die Aufmerksamkeit auf sich, sondern halten auch das Interesse aufrecht. Daher kann ein Foto mit einem dominanten Kontrastelement sogar trotz eines „langweiligen“ Hintergrundes faszinierend sein. Ein „langweiliger“ Hintergrund kann in solchen Fällen sogar die Gesamtkomposition oft besser unterstützen als ein „lebhafter“ Hintergrund.

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Hier habe ich dasselbe Prinzip genutzt – ein Kontrastelement innerhalb des Fotos.
Aber zusätzlich habe ich mit dem Bildgestaltungselement „näher ran“ gearbeitet. Die Birke ist jetzt wesentlich größer und formatfüllender dargestellt, da ich näher herangegangen war und zudem das Zoom-Objektiv auf den größten Tele-Bereich eingestellt hatte.

Den Abstand zu Fotoobjekten (hier Kontrastelementen) zu verringern ist etwas, was woran man immer denken sollte, vor allem, wenn der Hintergrund (hier der Himmel) ein problematisches Element ist. Entweder nutzt man die Zoom-Möglichkeiten aus, sei es diejenigen vom Objektiv, sei es den sog. Foot-Zoom, also per Fuß hin zum Objekt, oder man nutzt ein anderes Objektiv, meist ein Tele-Objektiv. Vorausgesetzt man hat eines bzw. man hat es vor Ort mit dabei.

Ein anderes Beispiel:

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Hier fasziniert mich die Baum-Allee mit ihrer Umgebung. Aber alle Versuche, dies im Querformat aufzunehmen, endeten stets damit, dass einfach zu viel von dem nunmehr völlig uninteressanten Himmel mit im Foto war. Jedesmal zeigte sich der Himmel im Foto als eine einheitlich eintönige und große Fläche, die optisch nichts hermachte und auch nicht zur Landschaftsstimmung etwas beitrug. Im Hochformat wurde es ebenfalls nicht besser, außerdem konnte darüber die Umgebung der Baum-Allee nicht in dem Umfang dargestellt werden, den ich mir vorgestellt hatte. In Endeffekt entschied ich mich dazu, den Bildaufbau komplett anders zu gestalten als ursprünglich gedacht.
Um das zu erreichen,

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veränderte ich meine Position vollständig. Hier sieht man immer noch die Baum-Allee, allerdings aus einer eher ungewöhnlicheren Perspektive, von unten und seitlich, so dass die Bäume nicht komplett abgebildet sind, sondern nur die Baumstämme und dann Anschnitte. Hier ist immer noch recht viel von der Umgebung zu sehen. Aber es gibt keine eintönigen und störenden Flächen mehr innerhalb dieser Komposition durch den Himmel im Hintergrund. Ein weiterer Tipp für euch also heißt: ursprüngliche Pläne und Ideen aufgeben und Standort und Perspektiven wechseln. Dadurch kommt es natürlich zu anderen Fotos vom Motiv, aber diese können oft sogar reizvoller sein, als die ursprünglich angedachten Szenen.

Ein anderes Beispiel:

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Obwohl das Fotomotiv (der kleine dunkelgrüne Busch/Baum) einen schönen Kontrast zu dem Hintergrund darstellt , vor allem auch zu der eintönigen Himmelsfläche und daher sofort die Aufmerksamkeit auf sich zieht, ist die Fläche des Himmels im Foto trotzdem zu groß und störend, um die Gesamtkomposition wirkungsvoll unterstützen zu können. Ich hatte mich bereits dazu entschlossen, das Hochformat zu nutzen und war so nah am Fotomotiv, wie es möglich war.
Was tun ? Ich beschloss, den Himmel

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komplett wegzuschneiden. Und zwar indem ich einen tieferen Standort einnahm, sprich Knie einknicken und leicht von oben nach unten zu fotografieren. Anders als im vorherigen Beispiel wollte ich hier nicht die Gesamtkomposition selbst verändern und so ausprobieren, wie ich das Motiv am besten einfangen konnte. Ich wollte lediglich weniger Umfeld insgesamt aufnehmen, aber an dem Bildaufbau mit einem dominanten Element grundsätzlich nichts ändern.

Falls ihr in der Nähe von Teichen, Seen oder anderen Wasserflächen seid, könnt ihr diese und die Reflektionen auf der Wasseroberfläche nutzen, um einen uninteressanten Himmel auszuschließen und trotzdem einen charakteristischen Eindruck von der Landschaft zu fotografieren. Hier ein Beispiel dazu:

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Versucht so viel und oft wie möglich, mit Landschaftsaufnahmen zu arbeiten, auf denen erst gar kein Himmel ist. Wenn man erst einmal seine ursprünglichen Ideen und Pläne mit allgemeinen Landschaftsmotiven inklusive Himmel aufgegeben hat, entdeckt man oft viele Fotomotive von derselben Landschaft, die diese auch allgemein zeigen, aber verschieden und individueller.

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Oder arbeitet mit Detailaufnahmen, die nichtsdestoweniger charakteristische Elemente der Landschaft zeigen (können).

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Okay, das war ein kleiner Überblick und Einblick dazu, was man vor Ort machen kann, wenn der Himmel öde und langweilig ist und man zudem nur ein Objektiv dabei hat. Der allgemeine und grundsätzliche Tipp heißt schlicht und einfach: nicht aufgeben.

Selbst wenn man alle ursprünglichen Pläne und Ideen über Bord werfen muss/aufgeben muss, weil sie unter den Bedingungen vor Ort einfach nicht realisiert werden können, hat man in den allermeisten Fällen immer noch die Chance und Möglichkeit stattdessen andere und interessante Fotos aufzunehmen.

Nicht zu vergessen: vor allem in der Reisefotografie sind Fotos, die Motive im allgemeinen zeigen/generelle Ansichten die üblichen/bekannten Fotos – es gibt sie mittlerweile wie Sand am Meer. Selbst wenn man es selbst gerne ausprobiert hätte, diese Motive so zu fotografieren, das Wetter einem dann aber einen dicken Strich durch die Rechnung macht, ist das kein Grund, den Kopf hängen zu lassen, geschweige sich zu ärgern. Denn man hat nahezu immer die Chance, andere und individuellere Fotos zu schießen.

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