Foto-Bericht PA Photo-Walk Lüneburger Heide Teil 1 – öder Himmel und Architekturfotografie

Die Lüneburger Heide in Niedersachsen/Norddeutschland ist ein wunderschönes Fleckchen Erde und es lohnt sich, sie zu besuchen oder dort Urlaub zu machen. Es gibt jede Menge zu entdecken: die Heide und die Wälder, die Bäche/Flüsse und Seen/Teiche, die Städte wie z.B. Lüneburg, die kleinen Dörfer mit den vielen Fachwerkhäusern und vieles mehr. Wir hatten wunderbar warmes Wetter, aber die meiste Zeit war der Himmel leider nicht wunderbar, sondern glich eher eine leicht grauen kompakten Masse über uns ohne jede Wolke, ohne Farben, ohne irgendwelche interessante Strukturen, ohne irgendetwas überhaupt – mit anderen Worten schlichtweg öde. Aber gerade in der Reisefotografie hat man oft nicht die Möglichkeit, zu warten, bis ideale Fotobedingungen vorliegen. Hier möchte ich euch daher als erstes am Beispiel Architekturfotografie einmal zeigen, wie man vor Ort fotografieren kann, wenn man unterwegs ist und der Himmel über einem absolut langweilig ist.

Probleme mit einem langweiligen, öden Himmel in der Architekturfotografie ? Ist das überhaupt möglich ?

Aber ja doch, sicherlich, denn der Himmel ist nicht nur ein typisches Element in der Landschaftsfotografie oder ein typisches Problem dieser speziellen Art der Fotografie.
Der Himmel ist auch wichtig, wenn ihr unterwegs seid und Architekturfotografie plant, z.B. wenn ihr generelle Ansichten einer Stadt zeigen wollt, ihre Skyline oder ganze Straßenzüge oder auch einzelne Häuser in einer Gesamtaufnahme usw. In diesen Fällen wird der Himmel ebenfalls ein Element innerhalb des Fotos/der Gesamtaufnahme und genauso wie bei der Landschaftsfotografie gilt, dass jedes einzelne Element die Gesamtkomposition unterstützen muss und zum Gesamteindruck beitragen muss.
Ist das nicht der Fall, dann vergesst das Foto. Entweder verzichtet man dann von vornherein auf generelle Ansichten des Fotomotivs oder man fotografiert sie höchstens für den privaten Gebrauch, als persönliche Erinnerungen.

…. direkt vor Ort:
Klar, man kann natürlich in vielen Fällen später mit einem Bildbearbeitungs-Programm Fotos bearbeiten und z.B. einen tristen, öden Himmel mit einem interessanten Himmel ersetzen, den man irgendwann irgendwo einmal vorher aufgenommen hat. Aber das kostet zumindest einige Zeit und vor allem braucht man das entsprechende Wissen und einige Erfahrung, wie man so etwas bewerkstelligt. Wenn ihr das nicht habt und könnt oder wenn ihr eure Fotos ganz einfach so überhaupt nicht bearbeiten möchtet, dann habt ihr vor Ort entweder die Möglichkeit, auf das Fotografieren ganz zu verzichten oder die Möglichkeit, zu versuchen, aus den vorhandenen Gegebenheiten das Beste zu machen.

Verschiedene Objektive oder auch Foto-Filter z.B. können dabei sehr hilfreich sein. Vorausgesetzt, man hat sie dabei und das war bei mir diesmal nicht der Fall, da ich das Gewicht des Fototreckers so gering wie möglich halten wollte. Ich hatte nichts weiter als meine Kamera selbst und ein einziges Objektiv (16-80 mm). Okay, schauen wir einmal auf die verschiedenen Fotobeispiele hier – die Situationen vor Ort und die Entscheidungen, was man trotzdem machen kann oder was ganz einfach nicht.

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Dies hier ist ein klassisches Beispiel für ein rein privates, persönliches Erinnerungsfoto bzw. in diesem Fall ein für die PA angefertigtes Lern-Foto. Es irgendwo öffentlich zu präsentieren z.B. in Wettbewerben oder Ähnlichem ist hoffnungslos und verlorene Liebesmühe. Wie so oft in der Reisefotografie hatte ich keine Chance, zu warten, bis aus diesem langweiligen öden Himmel ein interessanter Himmel geworden wäre. Daher habe ich vor Ort sehr schnell die Entscheidung getroffen, keinerlei generelle Ansichten/Gesamtansichten dieses Fachwerkhauses aufzunehmen, aber stattdessen einige Detailaufnahmen davon zu machen. Wie z.B. diese hier:

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Okay, sie sind natürlich nicht das, was ich ursprünglich fotografieren wollte, nämlich das ganze Haus und seine Architektur. Aber es konnten zumindest einige sehr charakteristische Merkmale dieser Fachwerk-Architektur eingefangen werden: Details des Fachwerkes und die Schriftzüge – beides sehr typisch für diese Art von Fachwerk-Bauten. Obwohl ich einigermaßen enttäuscht war und gerne generelle Ansichten fotografiert hätte, waren diese Detailaufnahmen dann aber nicht nur die vor Ort einzig möglichen Aufnahmen, die öffentlich präsentiert werden können, sondern sie gaben mir auch während des Fotografierens ganz neue Ideen wie z.B. verschiedene Serien anzufangen. Dies habe ich dann auch später umgesetzt.

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Hier ist der Himmel ebenfalls ein „No-Go“ innerhalb der Gesamtkomposition, also ein Bestandteil, der diese nicht unterstützt und dies obwohl sie hauptsächlich aufgebaut ist auf Formen, Linien und Flächen. Trotzdem ist der Himmel innerhalb des Fotos eine insgesamt viel zu große, leere und nichtssagende Fläche, wobei hier auch das Querformat viel zu diesem Eindruck beiträgt.
Obwohl ich so nah wie möglich mit dem Objektiv am Fotoobjekt war, konnte ich die Gesamtfläche des Himmels im Foto nicht minimieren. Erneut hieß es alle ursprünglichen Pläne fahren zu lassen, also keine Gesamtansichten der Hausfronten und schon mal gar nicht irgendwelche generellen Ansichten der Straße insgesamt mit den kompletten Häusern. Auch hier war es höchstens möglich, Detailaufnahmen zu machen und darüber zu versuchen, einige charakteristische Merkmale der Architektur einzufangen.

Einige Beispiele davon hier:

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Und schon wieder das gleiche Problem mit dem Himmel:

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In diesem Fall beschloss ich, das Hochformat zu nutzen, um so wenig wie möglich von dem langweiligen, öden Himmel aufzunehmen. Oftmals ist das Hochformat in solchen Fällen das bessere Format, denn man kann damit eine Bildkomposition anders aufbauen und störende Elemente entweder ganz ausschließen oder zumindest z.B. flächenmäßig so verkleinern, dass sie dann keine Störfaktoren mehr sind. Hier konnte ich per Hochformat mich darauf konzentrieren, so viel Fläche wie möglich mit der Fachwerkhausfront zu füllen, die „hoch“ hinauf führt bis zu dem Niedersachsen-Symbol auf dem Hausdach. Hier konnte ich mich zudem darauf konzentrieren, eine Komposition zu erstellen, die aus Formen, Linien, Flächen und Elementen besteht.
Dadurch ist der Himmel hier zwar immer noch eine weiße Fläche und nichts weiter, aber er wurde so verkleinert, dass er hier nur eine Fläche innerhalb der vielen anderen ist und kein Störfaktor. Als neutraler Hintergrund lenkt er hier außerdem die Aufmerksamkeit auf das Symbol oder anders gesagt, nichts im Hintergrund lenkt so die Aufmerksamkeit des Betrachters vom Symbol ab. Ein eigentlich „unbrauchbarer“, öder Himmel kann also durchaus auch positiv sein.

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Ein weiteres Beispiel dafür, wie ein langweiliger, öder Himmel ein Foto/eine Bildkomposition positiv unterstützen kann, ist dieses Foto. Diese alte Giebelfront braucht keinen interessanten Himmel als Hintergrund. Ganz im Gegenteil, es könnte sogar durchaus passieren, dass z.B. ein schöner blauer Himmel mit Wolken usw. die Aufmerksamkeit von der Giebelfront und den vielen Details, die es dort zu entdecken gibt, sogar ablenkt. Ein eher neutraler Hintergrund dagegen unterstützt die Wirkung der vielen Linien, Elemente, Formen und Flächen. Wobei hier allerdings bewusst wiederum das Hochformat gewählt wurde und ich auch so nah wie möglich am Objekt war, damit die Hintergrundfläche so klein wie möglich gehalten werden konnte.

Was man immer wieder ausprobieren sollte bei „schlechten“ Himmel-Verhältnissen ist natürlich seine Position zu verändern, den Blickwinkel und andere Perspektiven. Dadurch kann man z.B. den uninteressanten Himmel ganz „wegschneiden“ und dennoch zu Aufnahmen kommen, die eine generelle Ansicht von z.B. Straßen zeigen. Zwei Beispiele dazu:

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Und letztlich: auch wenn man nur kurz vor Ort sein kann, kann es durchaus passieren, dass sich der Himmel verändert, wenn vielleicht auch nur für einige kurze Momente. Seid also immer darauf vorbereitet.

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Hier z.B. sind zumindest einige Strukturen und auch einige leicht blaue Partien im Himmel.
Durch die Wahl des Hochformates und die zu sehenden verschiedenen Elemente hier (die Szene mit den Pferden) ist dies zumindest eine präsentable Aufnahme und ein genereller Eindruck von der Stadt Lüneburg. Aber auch, wenn der Himmel weiterhin eine einheitliche triste Fläche geblieben wäre, so wie ich es hier zum Vergleich per Bildbearbeitung hergestellt habe,

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wäre er in diesem Fall mit dieser Szene kein wirklicher Störfaktor im Foto. Die Szene im Vordergrund mit den Pferden und die Gebäude im Hintergrund ziehen trotzdem die Aufmerksamkeit eines Betrachters sofort und hauptsächlich an.

Kleine Zusammenfassung:
Ein langweiliger, öder Himmel muss nicht unbedingt zu einem Störfaktor in einem Foto aus der Architekturfotografie werden. Präsentable Fotos, die nicht nur persönliche Erinnerungen sind, können trotzdem gelingen. Manchmal kann ein solcher langweiliger Himmel ein Foto/eine Komposition sogar besser unterstützen als ein interessanter Himmel. Dies gilt insbesondere, wenn das Foto aufgebaut ist auf Linien, Formen, Elementen und Flächen oder wenn es interessante Szenen zeigt, die mit der Architektur (sei es auch nur im Hintergrund) verknüpft sind. Der Wechsel vom Querformat zum Hochformat ist oft sehr hilfreich, um den langweiligen Himmel zu reduzieren, aber auch um zu individuelleren Aufnahmen als den bekannten zu kommen. Die ursprünglichen Pläne und Ideen aufzugeben, vor allem in Hinblick auf generelle Stadtansichten z.B., muss nicht gleichzeitig bedeuten, die Fotografie vor Ort komplett aufzugeben. Charakteristische Elemente der Architektur können durchaus auch als Detailaufnahmen präsentiert werden. Es kann sogar passieren, dass man bei einem langweiligen Himmel vor Ort auf neue Ideen kommt, wie und was man trotzdem fotografieren kann, dass man z.B. Serien beginnt oder experimentiert usw. .

Im zweiten Teil sehen wir uns wieder mit dem gleichen Himmel-Problem, dann aber mit einigen Beispielen aus der Landschaftsfotografie.

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