Foto-Bericht PA Photo-Walk: Kunst und Kreativität der Natur @ICEHOTEL_Sweden

Jeden Frühling schmilzt das Winter-Eishotel und dann ist es die Natur allein, die künstlerisch tätig wird, die an und mit dem ICEHOTEL arbeitet und es formt. Am Ende ist alle menschliche Kunst und Arbeit verschwunden – es bleibt davon nur Wasser übrig. Der Torne Fluss nimmt es auf und es treibt und verschwindet in den Weiten von Lappland.

Zusätzlich zu Martins Video  möchte ich euch hier noch ein paar andere und weitere Eindrücke vom schmelzenden Eishotel zeigen.

Genau wie Martin möchte ich diesen Artikel auch Åke Larsson widmen, dem berühmten Architekten des ICEHOTEL und der Erinnerung an ihn, zusammen mit einem speziellen Abschied von ihm am Ende.

Im letzten Sommer hörten wir erstmals vom Schmelzen des ICEHOTEL – Arne Bergh, der Art Direktor und später auch Åke Larsson, der Architekt des ICEHOTEL erzählten uns davon an unseren gemeinsamen Lagerfeuerabenden. All ihre Geschichten und Fotos führten dazu, dass wir beschlossen, wenn irgend möglich, diesen Schmelzprozess des Eishotels einmal selbst zu sehen und zu erleben.

Und in diesem Jahr war es dann auch soweit – Kofferpacken war angesagt und es ging hinauf nach Jukkasjärvi im schwedischen Lappland zum ICEHOTEL.
Das ICEHOTEL so zu sehen, im Frühjahr, beim Schmelzen, war eine absolut faszinierendes und bewegendes Erlebnis.
Mit spezieller Sondererlaubnis von Arne hatten wir sogar die Möglichkeit, mit ihm zusammen in das ICEHOTEL zu gehen. Dies ist allen anderen Besuchern generell streng verboten, da das Betreten und Verweilen im schmelzenden Eishotel einfach mit zu vielen Risiken verbunden ist und auch gefährlich ist. Unser besonderer Dank daher noch einmal an Arne für unsere Sondererlaubnis und der es uns dadurch möglich gemacht hat, Fotos im Inneren des ICEHOTEL aufzunehmen, damit wir sie hier euch hier zeigen können. “Tack så hämst mycket, Arne!“

Jedesmal, wenn ein Winter-Eishotel anfängt, zu schmelzen, ist es die Natur allein, die sich hier künstlerisch betätigt – in, an, auf und mit dem Eishotel. Sie „baut“ neue Formen, Elemente, Linien und Umrisse, sie arbeitet mit neuen Lichtquellen überall und verändert nicht nur das Eishotel generell, sondern auch in vielen Details. All das ist verbunden mit Geräuschen aller Art, mit dem Platschen von Tropfen, den plötzlichen Rissen in Decken und Wänden, dem Herunterfallen von Decken- und Wändeteilen, dem Wegrutschen von Schnee und dem Zerbersten, Zersplittern und Umkippen von Eissäulen oder anderen Eisgebäudeteilen usw.

Hier ein paar kleine allgemeine Eindrücke davon – Ansichten des ICEHOTEL von außen:

01-ARei-PA-Eis-DSC08360-1

Das Gebäude auf der linken Seite ist die Kirche – das Gebäudeteil auf der rechten Seite, beginnend mit den Eisblöcken, die man sieht, gehört zu der berühmten Eisbar. Die Eingänge sind mit hohen Eis- und Schneebergen zugeschüttet, um zu verhindern, dass nicht autorisierte Personen das ICEHOTEL betreten.

02-ARei-PA-Eis-DSC08307-2

Risse in den Schneewänden, Eisblöcke, die durch die Decke sichtbar werden, ein ganzes Gebäudeteil, das abgerissen ist und heruntergestürzt ist.

03-ARei-PA-Eis-DSC08319-2

Das ICEHOTEL vom Torne Fluss aus fotografiert – die Eisblöcke in der Mitte gehören zur Fensterwand der „Main Hall“, der Haupthalle.

Hier ein paar detailliertere Eindrücke vom Schmelzen – ebenfalls von außen aufgenommen.

Diese Eisblöcke können im Winter so nicht gesehen werden, erst der Frühling macht dies möglich. Sie haben ihre ursprüngliche Form und Größe bereits verändert, je nach dem Stadium des Schmelzens. Hier formt jetzt allein die Natur.

Risse in den Wänden und erste Löcher in den Decken, die Eingänge sind durch Schnee und Eis blockiert.

04-ARei-PA-Eis-DSC08320-1

05-ARei-PA-Eis-DSC08355-1

Aber es ist nicht nur die Gesamtansicht des ICEHOTEL faszinierend und beeindruckend, sondern es sind auch die vielen kleinen Details, die man plötzlich überall entdecken kann.

Auch sie werden allein von der Natur geformt und bilden lauter kleine, eigene Kunstwerke für sich.

06-ARei-PA-Eis-DSC08419-1

Hier z.B. ist ein Riss zwischen zwei Eisblöcken. Man kann quasi in die Eisblöcke hineinsehen und dabei die unterschiedliche Farbgebung, bedingt durch den Lichteinfall entdecken und man kann zusätzlich hier auch schon in das Innere des Eishotels sehen.

07-ARei-PA-Eis-DSC08347-1

08-ARei-PA-Eis-DSC08348-1

Hier z.B. ist es gar schon ein eigenes kleines von der Natur geformtes Fenster – es befindet sich in der Fensterwand der Haupthalle und man schaut von außen direkt in die Haupthalle hinein. Solche Anblicke und Durchblicke gibt es exklusiv nur im Frühling.

Alle folgenden Fotos wurden im Inneren des ICEHOTEL aufgenommen.

Die Atmosphäre im Inneren ist unglaublich – überaus erstaunlich, faszinierend und ganz eigen, auch ein wenig unheimlich. Überall regnet es, im wahrsten Sinne des Wortes, vor allem aber in den Eis-Korridoren. Alle Böden sind mit Wasser bedeckt und teilweise steht das Wasser dort so hoch, dass man ohne hohe Gummistiefel komplett verloren ist. Unter dem Wasser ist immer noch Eis, so dass man sehr schnell den Halt verlieren und ausrutschen kann – man rutscht mehr oder weniger im Eishotel wie in einem „Swimmingpool“ herum. Und man tritt in einemfort in tiefe Pfützen und Kanäle mit Wasser. Wir mussten spezielle Spikes unter unseren Schuhen tragen, um dort laufen zu können und nicht samt den Kameras unfreiwillig „baden“ zu gehen oder einen Unfall zu haben. Teile der Decken brechen immer wieder mit lautem Klatsch herunter. Überall sind Löcher in den Decken, durch die man den Himmel sieht oder die Decken sind stellenweise schon so dünn, dass man das Licht von draußen schon durchscheinen sieht. Die Decken und Wände hängen durch oder beugen sich nach innen durch den ungeheuren Druck des nassen und tauenden Schnees und Eises. Es wird einem schon recht seltsam zumute und auch mehr oder weniger ängstlich, denn man kann niemals exakt voraussagen, welches Decken- oder Wandteil oder was auch immer als nächstes einbricht und dann herabstürzt. Bei jedem neuen Geräusch stoppt  man automatisch und betrachtet sofort die nähere Umgebung, um den Ursprung zu lokalisieren. Und man hofft, dass nicht ausgerechnet gerade dann etwas Größeres von oben kommt, wenn man gerade dort steht. Alle menschliche Kunst, Arbeit und Kunstwerke, die in wochenlanger Arbeit geschaffen wurden, zerbricht in Einzelteile. Jetzt arbeitet die Natur ganz allein und ist künstlerisch tätig.

Diese Fotos sind ein paar kleine Eindrücke aus der „Main Hall“, der Haupthalle des Winter-Eishotels. Die dunklen und schwarzen Schattierungen stammen übrigens von einer Feuerwehrübung, die nach dem Schließen des Winter Eis-Hotels dort stattgefunden hat in diesem Jahr, andernfalls würde es diese dunklen Bereiche dort so natürlich nicht geben.

09-ARei-PA-Eis-DSC08431-1

10-ARei-PA-Eis-DSC08438-1

11-ARei-PA-Eis-DSC08606-1

Einer der sogenannten „Art-Rooms“ – von Künstlern geschaffenen, besonderen Eis-und Schneeräumen zum Übernachten:

12-ARei-PA-Eis-DSC08445-1

Ein Eindruck aus der berühmten Eisbar:

13-ARei-PA-Eis-DSC08460-1

Einige der Eis-Korridore, von denen aus man die Zimmer zum Übernachten betreten kann.

14-ARei-PA-Eis-DSC08449-1

15-ARei-PA-Eis-DSC08672-2

Einige weitere Eindrücke von der Naturkunst sowie der Lichteffekte, die es nur im Frühling so gibt:

16-ARei-PA-Eis-DSC08623-1

17-ARei-PA-Eis-DSC08624-1

18-ARei-PA-Eis-DSC08637-2

Und einige der Durchblicke, die es exklusiv nur im Frühling gibt – von innen nach außen:

19-ARei-PA-Eis-DSC08640-2

20-ARei-PA-Eis-DSC08656-1

So wie jedes Jahr stürzt das jeweilige Winter Eis-Hotel zusammen, es schmilzt und am Ende bleibt nur noch Wasser übrig.

21-ARei-PA-Eis-DSC08683-1

Es ist ein Teil des Kreislaufes des ICEHOTEL, alle menschliche Kunst und Arbeit existiert höchstens für 4 Monate im Winter und verschwindet danach vollständig. Alles löst sich auf. Nur die Erinnerungen daran und Fotos bleiben für immer, niemals aber die Kunst und die Kunstwerke selbst.
Genau dies ist aber eines der Hauptelemente der Faszination des ICEHOTEL.
Bis heute gibt es vom letzten Winter-Eishotel mittlerweile nur noch 2 kleine Schneemauern, alles andere ist bereits verschwunden und der Rest ist auch nicht mehr lange vorhanden.
Aber dafür gibt es das Sommer Eis-Hotel, das seit dem 8. Juni jetzt offiziell eröffnet ist. Eine wunderschöne kleine Schwester des Winter Eis-Hotels – fantastische Farben, kristallklares Eis und liebevoll gestaltete Räume, sowie eine Halle und natürlich eine Eisbar. Darüber könnt ihr in diesen Artikel von uns nachlesen: click und click.

Das Ende des Winter Eis-Hotels ist zugleich der Anfang des Sommer Eis-Hotels, auch dies ein weiterer Teil des Kreislaufes und ein weiteres Element der Faszination ICEHOTEL.
Genauso wie das Schmelzen des Winter Eis-Hotels zugleich der Beginn der Planungen für das nächste Winter Eis-Hotel ist.
Und es ist letztlich auch das Wissen, dass der Sommer kommt – die langen hellen Tage endlich beginnen, die Mitternachtssonne, eine Zeit, wenn Tag und Nacht gleich sind oder auch rund 100 Tage, die eigentlich ein einziger langer Tag sind, denn dann geht die Sonne niemals vollständig unter und ist immer am Horizont zu sehen.
So wie hier – Mitternachtssonne in Jukkasjärvi, im Vordergrund der Torne Fluss, der all das zu Wasser geschmolzene Winter Eis-Hotel aufgenommen hat und in dem es in die endlosen Weiten Lapplands transportiert wird.

22-ARei-PA-Eis-DSC02896-3

Das Leben geht weiter, der Kreislauf des ICEHOTEL geht weiter ……,
aber es gibt einen,
der noch so viele Pläne und Ideen hatte und nun niemals wieder dabei sein kann:

Åke Larsson, der berühmte Architekt des ICEHOTEL.

Åke ist für immer von uns gegangen.

Das letzte Winter ICEHOTEL (2011/2012) und das Sommer ICEHOTEL 2012 sind plötzlich und unerwartet die letzten Eishotels, die geplant und gebaut hat zusammen mit seinem Team und Künstlern aus aller Welt. Åke Larsson starb plötzlich und unerwartet am 21. Mai 2012, ganz kurz nach unserer Rückkehr aus Jukkasjärvi. Wir sind sehr traurig darüber und sehr betroffen von seinem Tod. Sein außergewöhnlicher Charakter und seine außergewöhnliche Persönlichkeit haben keinen unberührt gelassen, der ihn gekannt hat. Sein Wirken wird für immer ein Teil des ICEHOTEL bleiben, denn er hat dies wesentlich mitgeprägt.
Das letzte Foto hier ist hier eingestellt worden auch in Erinnerung an unseren letzten gemeinsamen Sommer, in Erinnerung an Åke und an die unvergleichlich schöne Natur des schwedischen Lapplands, die Åke so sehr geliebt hat.
Neben den hier veröffentlichten Artikeln über seine letzten Arbeiten, die er zusammen mit seinem Team geschaffen hat, die auch sein Können, seine Fähigkeit, seine Kunst und seine Arbeit zeigen und die in Erinnerung an Åke geschrieben wurden, ist dieses Foto ein weiterer Abschied von ihm.

Wir haben zusammen solche Sommerhimmel erlebt, die Schönheit der Natur, die Kraft und Macht des Lichtes, Frieden und Stille, Freude und Glück und Leben.
Wir sind sehr dankbar für alles, was Åke  uns gegeben hat. Er war wie die Mitternachtssonne, die hier zu sehen ist – nur mit einem Unterschied, Åke war immer ein „Licht“, das Energie, Freude und Leben gegeben hat.

Ruhe in Frieden, Åke ! Wir werden dich niemals vergessen !

Tagged on: ,

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.