Experimentelle Fotografie – Minima

Mit diesen beiden Fotos möchte ich euch einen ersten Einblick in die experimentelle Fotografie geben.

Minima – eine Art zu fotografieren, die sehr vom sog. „ mainstream“ abweicht und die zudem auch noch die üblichen Regeln der Bildgestaltung absolut nicht beachtet.

Der Ausdruck „Minima“ kommt ursprünglich aus dem Lateinischen – minimus, minima, minimum. Und immer so weiter, wie alle wissen, die sich einmal mit der lateinischen Sprache herumschlagen durften oder noch herumschlagen. Da gibt es noch jede Menge mehr Endungen zu lernen – die verschiedenen Fälle, Plural und Singular und auch Maskulinum, Femininum und Neutrum. Aber all dies soll hier ganz bestimmt nicht unser Problem sein.

Das einzig Wichtige, das wir hier wissen müssen (oder an das wir uns hier wieder erinnern müssen) ist, dass minima ein Adjektiv ist und übersetzt „das Kleinste“ bedeutet.

Minima ist eine Art der experimentellen Fotografie und in diesem Zusammenhang bedeutet es das Spiel mit z.B. einer Form zur Fläche oder zu einer anderen Form innerhalb des Bildformates. Es kann auch das Spiel mit Farben sein. Ob man nun mit Formen und Flächen spielt, oder mit Farben, es ist wirklich ein Spielen, ein Austesten und dabei gibt es grundsätzlich keine Grenzen. So kann z.B. das Verhältnis von einer Form zur Gesamtfläche im Bildformat grundsätzlich auch extrem sein. Dies hängt allein davon ab, was einem selbst gefällt, wie man selbst den Unterschied bzw. das Spiel von einer Form und einer Fläche empfindet oder auch noch anders gesagt, wie sehr man hier spielen möchte.

Minima steht für „das Kleinste“. Oder anders gesagt „das kleinste Mögliche“.

Was das konkret ist, hängt von einem selbst ab. Wann also denkt man für sich selbst, jetzt ist die kleinste Darstellung, die kleinste Möglichkeit erreicht? Wann hat z.B. eine Form, ein Element im Foto die kleinste Darstellung im Vergleich zur restlichen Fläche im Bildformat?

Wann sind eurer Meinung nach die Grenzen erreicht oder überschritten, mit der Folge, dass man das Element dann einfach nur noch als störend empfindet?

Schauen wir uns einmal die Fotos an:

DSC01468asokleinMinima1

DSC01479asokleinMinima2

Bereits im ersten Foto haben wir schon ein Spiel, hier mit einer Form und mit einer Fläche.

Es gibt einen einzigen Baum, den man sehen kann. Der Rest des Fotos besteht aus einer Fläche, dem Himmel mit den Wolken, die gewaltig wirken und viele Farben aufweisen, da es sich hier um einen Sonnenuntergang handelt, während gleichzeitig viele Regenwolken aufgezogen waren.

Einige Betrachter würden bereits hier sagen, dass es sich um einen großen Unterschied handelt zwischen der einen Form (dem Baum) und der restlichen Fläche (dem Wolkenhimmel). Aber stimmt das so wirklich? Ist das wirklich so ein großer Unterschied hier?

Mit Sicherheit nicht, wenn man im Vergleich dazu das zweite Foto betrachtet.

Okay, keine Diskussion eigentlich – hier ist wirklich ein echtes Spiel zwischen einer Form und einer Fläche. Und was denkt ihr jetzt, was empfindet ihr gefühlsmäßig dabei? Würdet ihr jetzt sagen, nein, dieses kleine Baumteil zerstört die ganze Bildgestaltung und sollte unter allen Umständen per Bildbearbeitung entfernt werden, wie auch immer?
Oder würdet ihr sagen, na klar doch, das ist wirklich ein enormer Unterschied, aber warum eigentlich nicht? Immerhin vermittelt es einen starken Eindruck von Räumlichkeit hier, als ob man die Szene, die Weite des Himmels noch weit über den Bildrand hinaus sehen kann?
Wo liegen für euch die eigenen Grenzen, was würdet ihr selbst nicht mehr machen?

Noch ein kleiner Hinweis für alle, die diese Art der experimentellen Fotografie nicht kennen:
Vergleicht die beiden Fotos nicht untereinander, indem ihr ständig vom ersten Foto zum zweiten Foto wechselt und umgekehrt. Schaut euch beide Fotos gleich lang an, nehmt euch für beide jeweils die gleiche Zeit und lasst sie auf euch wirken. Wenn ihr das zweite Foto erst einmal als zu extrem abgelehnt habt, kann es dabei durchaus passieren, dass ihr es doch plötzlich interessanter findet als das erste Foto. Bzw. dass ihr denkt, eigentlich hat das zweite Foto doch einen besonderen „Kick“, da ist das erste eher gewöhnlicher und bekannter oder langweiliger.

Wie auch immer – Minima ist eine Art der experimentellen Fotografie und vielleicht habt ihr Lust dazu bekommen, dies einmal selbst auszuprobieren. Es gibt viele Möglichkeiten dafür und viele Motive. Eure Ausrüstung spielt dabei keinerlei Rolle.

Viel Spaß !

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