Erfahrungsbericht – Fotoweste

Spätestens wenn man eine umfangreichere Ausrüstung hat, ergibt sich u.a. die Frage, wie transportiert man diese am besten. Grundsätzlich hängt dies auch davon ab, auf welchem Gebiet der Fotografie man arbeitet. So ist es z.B. bei outdoor und Landschaftsfotografie anders als Studio- oder Personenfotografie. Es gibt mehrere Transport-Möglichkeiten – Fototaschen, Fotokoffer, Fotorucksack usw.

In diesem Artikel möchte ich euch einen persönlichen Erfahrungsbericht speziell zum Einsatz einer sog. Fotoweste geben.

 

Worauf sollte man beim Kauf einer Fotoweste achten ?

Eine Fotoweste ist vom Prinzip her ein weiteres Bekleidungsstück. Daher sollte sie bequem sitzen und vor allem auch atmungsaktiv sein. Dies ist insbesondere wichtig, wenn man auf längere Touren outdoor geht.

Eine Fotoweste sollte grundsätzlich sowohl bei warmem als auch bei kaltem Wetter getragen werden können.

Eine passgenaue Fotoweste ist unpraktisch. Vielmehr sollte sie so weit bzw. groß sein, dass man darunter bequem auch dickere Kleidungssachen tragen kann, wie z.B. wärmere Pullover.

Andersherum sollte es trotz Weste möglich sein, dass man eine dickere Jacke oder Regensachen problemlos darüber anziehen kann.

Weiterhin sollte man darauf achten, wie lang die Fotoweste ist und wo sich aufgrund der Länge beim Tragen dann die Taschen befinden. Ist eine Fotoweste zu lang, sitzen die Taschen entsprechend zu weit unten am Körper, z.B. im Bereich der Oberschenkel. Das macht sich beim Tragen von Gewichten wie z.B. Objektiven unangenehm bei jedem Schritt bemerkbar und behindert auch das Gehen selbst.

Empfehlenswert ist es, wenn eine Fotoweste über einen verstellbaren Gurt im Becken- Bauchbereich verfügt. So kann man einerseits die Weste offen tragen, andererseits die Weste enger ziehen und dadurch das Gewicht der darin befindlichen Ausrüstungsgegenstände besser verteilen. Ein solcher Gurt verhindert, wenn man die Weste offen trägt, außerdem erheblich, dass die in den Taschen befindliche Ausrüstung ständig mit jeder Körperbewegung hin- und her schwenkt.

Eine Fotoweste sollte über genügend Taschen verfügen, in unterschiedlicher Größe. Jede Tasche sollte entweder per Druckknöpfen oder Reißverschlüssen etc. schließbar sein.

Zumindest eine Tasche sollte sich im Innenbereich befinden, damit z.B. Ausweis, Geld und Ähnliches mitgenommen werden können.

Im Schulterbereich sollten sich gesicherte Laschen befinden, damit man seine Kamera auch seitlich über den Schultern liegend seitlich und nicht allein im Nackenbereich tragen kann und deren Gurt nicht von der Weste abrutschen kann.

 

Vorteile einer Fotoweste:

Da sie ein Bekleidungsstück ist, kann man bei Flugreisen jedenfalls z.Z. grundsätzlich etwas mehr an Fotoausrüstung mitnehmen, als nur per Handgepäck – vorausgesetzt, man trägt die Weste/hat sie angezogen.

Man trägt man alles direkt am Körper, hat die Hände frei und braucht nur die entsprechenden Taschen der Weste zu öffnen.

 

Nachteile einer Fotoweste:

Bei größeren oder schwereren Ausrüstungsgegenständen wie insbesondere Objektiven, kommt es schnell zu einer einseitigen Gewichtsverlagerung, obwohl man die Weste als solches am ganzen Körper trägt. Die Taschen, in denen sich diese Gegenstände befinden, ziehen das Gewicht nach vorne und nach unten. Ein Gegengewicht im Rückenbereich gibt es nicht, also keinen Gewichtsausgleich. Werden die vorderen Taschen nicht mit gleich schweren Ausrüstungsgegenständen gefüllt, kommt es zu einem zusätzlichen Ungleichgewicht bereits im vorderen Bereich und dieses ungleichmäßige Gewicht und Tragen wird bei jedem Schritt als unangenehm empfunden. Außerdem führt es zu einseitigen Belastungen der Wirbelsäule.

Als unangenehm empfindet man oft auch, dass die vorderen Taschen sich mehr oder weniger frontal im Bereich des Beckens befinden (jedenfalls bei geschlossener Weste) und nicht seitlich davon, so wie man z.B. eine Fototasche trägt. Dadurch kann z.B. das Gewicht bei jedem Schritt erneut auf die Beckenknochen drücken.

Regelrecht störend bemerkbar macht sich diese Anordnung, sobald man sich bückt, hockt oder hinsetzt bzw. bei jedem Perspektivwechsel während eines shootings. Die Taschen drücken dann samt Inhalt direkt in den Becken- und Bauchbereich, sogar in den Brustbereich, vor allem, wenn die Weste geschlossen ist.

Ist die Weste geöffnet,  ist in diesen Fällen unbedingt darauf zu achten, dass man sich vorsichtig nach unten bewegt, damit die Taschen samt Inhalt nicht durch ihren Eigenschwung hart bzw. härter auf den Boden treffen, schlimmstenfalls die Ausrüstung darin dadurch sogar beschädigt wird, je nachdem wie die Weste verarbeitet ist, auf welchem Boden man sich niederlässt, wie schnell man sich bückt, hockt usw.

Dadurch dass man die Ausrüstungsgegenstände vorne trägt, muss man grundsätzlich einen Abstand zum Körper einkalkulieren, d.h. man kann sich weder auf einen Boden legen, noch z.B. an eine Felswand drücken usw. Klettern oder kletterähnliche Fortbewegungen werden erschwert – im Gegensatz zu z.B. einem Rucksack, den man sicher auf dem Rücken trägt und der den Brust-, Bauchraum usw. nicht behindert. Eine Fotoweste schränkt also die Flexibilität der eigenen Bewegungsfreiheit ein.

Eine Fotoweste bietet per se nicht die Möglichkeit, so wie z.B.  in einem Fotorucksack oder einer Fototasche sofort einen Überblick über die mitgenommene Ausrüstung zu haben. Je mehr Taschen sie hat, desto mehr kann man also suchen, es sei denn, man steckt alles immer in dieselbe Tasche und weiß von vornherein, in welcher Tasche jeweils was ist. Und das ist meistens nicht der Fall.

 

Persönliches Fazit:

Wer ohne viel Perspektivwechsel arbeitet, auf leichtgängigem Gebiet unterwegs ist, etwas mehr an Ausrüstung mitnehmen möchte als z.B. per Fluggepäckregeln vorgesehen,  keine Lust hat, bei kleineren Einsätzen ständig eine Tasche oder einen Rucksack etc. zu schleppen oder nur etwas mehr Ausrüstung dabei haben möchte als allein die Kamera und ein Objektiv, für den ist eine Fotoweste grundsätzlich sicherlich eine denkbare Option.

Jedenfalls dann, wenn man häufig unter solchen Bedingungen fotografiert.

Und vorausgesetzt, man ist bereit, den Preis für eine solche Fotoweste zu bezahlen.

Wer dagegen oft Perspektiven wechselt, mal oben, mal unten ist, sich flexibel bewegen möchte, längere Touren auf schwergängigerem Gelände macht, bei jedem Wetter unterwegs ist oder mehr Ausrüstung mitnehmen möchte, für den ist eine Fotoweste grundsätzlich keine denkbare Option. Hier ist ein Fotorucksack nach wie vor die beste Alternative, jedenfalls im outdoor-Bereich. Indoor empfehlen sich eher eine Fototasche oder ein Fotokoffer.

 

Im Bereich outdoor und trecking bzw. Freizeit- und Sportbekleidung gibt es übrigens auch verschiedene Westen, Jacken sowie Hosen.

Je nachdem können diese allein oder in Kombination grundsätzlich durchaus wie eine spezielle Fotoweste genutzt werden.

 

Feedback, Fragen und eure Erfahrungen sind  – wie immer- herzlich willkommen.

 

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